Skip to main content

Die (Zwangs-)Pause war lang. Und weder der Nikolaus noch das Christkind konnten dem AlpenPokal-Fahrer den Frust vertreiben, der sich in diesen Wochen und Monaten angesammelt hat. Aber es gibt ja - zum Glück - den PC Wien! Und dieses tatkräftige Team aus Wien macht es sich jedes Jahr zur Aufgabe, die erste Veranstaltung der Saison mit den übermotivierten Fahrern in ihren neuen Autos auf den neuen Reifen mit neuem Regelwerk durch zu führen. (Immer wieder...!)

Spätestens bei der Anreise aus dem sonnenüberfluteten Bayern merkte man, daß der April halt doch immer noch macht, was er will: Regen, Graupelschauer und Temperaturen im einstelligen Bereich zeigten so manchem Teilnehmer, was im Land der unbegrenzten (Wetter-)Möglichkeiten und Drehzahlen alles möglich ist. Aber - dickes Lob an alle Fahrer - über 70 Teilnehmer hatte sich zum Teil schon Wochen vorher angemeldet und ließen sich auch von den bekannten Wetterkapriolen nicht abschrecken.

Das bedeutete also viel Arbeit für die Herren Technische Kommissare (draaah' di ned um...) Viehtaler und Dobay, sowie Bernhard Fischer und Jörg Peham vom AlpenPokal. Denn neben der Menge der Anmeldungen gilt ab heuer ein geändertes Reglement, dementsprechend schärfere Kontrollen sind angesagt! Neben den Klassikern wie "Lara Croft" und "Flugsimulator" hat Jörg Peham außerdem auf seinem Laptop inzwischen eine Datenbank (in mühevoller Arbeit) eingerichtet, mit der die einzelnen Fahrzeugdaten erfasst und verglichen werden können. Dadurch werden spontane Kontrollen erleichtert und ein schneller Zugriff auf alle Informationen zu einem Fahrzeug möglich.Trotzdem wurde am Samstag noch bis spät in die Nacht gewogen, geprüft und gefragt. Bernhard Fischer arbeitet bereits an einer Möglichkeit, sich in das Steuergerät beamen zu lassen, um sich so von dem "ordnungsgemäßen Zustand" (das kennt man sonst nur von der Lottozahlenziehungsmaschine!) zu überzeugen... Am Sonntag ganz in der Früh wurden dann die letzten Fahrzeuge - gewohnt gründlich - abgenommen.

Das Wetter zu diesem Zeitpunkt war - hmmm... - problematisch: kalt, feucht, nebelig. Die "tollkühnen Fahrer in ihren fliegenden (dazu später mehr...) Kisten" sind dafür eher zu haben - man schwitzt dann nicht so beim Schuften im Auto. Aber als Zuschauer sehnt man sich nach... - ach, egal!

Also dann, alle Uhren auf Null - die Saison 2003 kann beginnen.

Und die gute Nachricht vorneweg: der neue Hauptsponsor Yokohama verspricht nicht nur eine schnelle Belieferung mit Reifen, sondern es klappt auch wirklich! Innerhalb von 2-3 Tagen nach der Bestellung sind die neuen "Sohlen" auch schon beim zukünftigen Besitzer. Dennoch galt für diese Veranstaltung noch eine Ausnahmeregelung, so dass die Teilnehmer auch auf anderen Fabrikaten starten durften.

Beim Thema "Freies Fahren" (Programmpunkt 1) komme ich nochmal zu den "fliegenden Kisten"... Kaum war nämlich die Strecke nach der Fahrerbesprechung freigegeben, da konnte so mancher Porsche-Treiber weder sich noch sein Fahrzeug im Zaum halten, was den Leuten vom "Bodenpersonal" und dem Abschleppteam reichlich Arbeit bescherte. Nachdem sich dann - ganz nach Formel 1-Manier - die Ausrutscher besonders in einer Kurve häuften (und damit auch die Unterbrechungen...), nahm sich Richard Purtscher vom PC Wien in einer außerordentlichen Fahrerbesprechung (sowas gibt's auch nicht oft!) diesem Problem - und den Fahrern - an, und von da an ging's ohne "(Ab)Fliegen in seiner schönsten Form"! Inwiefern auch der zunehmende Sonnenschein und der damit verbundene Temperaturanstieg auf Richard Purtscher's Ansprache zurück zu führen sind, konnte nicht ermittelt werden...

Etwas Pech hatte der Teilnehmer am PC Fahrtraining, der seinen Ausrutscher in's Kiesbett zwar unbeschadet überstand, anschließend allerdings einige Zeit den A1-Ring auf den Rettungswegen erkundete, bevor er wieder auf die Strecke zurück fand!

Ein wichtiger Punkt des neuen Reglements im SuperSport ist die 2. Leistungsprüfung (Sprintwertung) als Ersatz für die Gleichmäßigkeitswertung. Dadurch hat diese Klasse an Attraktivität gewonnen, was sich deutlich an der Zahl der Teilnehmer widerspiegelt: 46 Fahrer waren mit und ohne Profil unterwegs, um den Zuschauern spannenden Motorsport zum Anfassen zu bieten. Trotz spannender Zweikämpfe gilt natürlich stets das Motto: sportlich, aber fair. Daß dennoch 2 Fahrer nach einer "Rempelei" disqualifiziert wurden zeigt, daß OSK-Sportkommissar Poschauka seine Aufgabe ernst nimmt und auf die Disziplin der Teilnehmer sowie die Einhaltung des Reglements genauestens achtet. Denn nur so lässt sich der hohe Sicherheitsstandard bei den Läufen zum AlpenPokal auch weiterhin gewährleisten!

Yokohama versorgt den AlpenPokal übrigens neben den Reifen, die in einem Monster-Montage-Truck gleich vor Ort erworben und montiert werden können, und einem umfangreichen Angebot an Renn-Zubehör wie Schuhen, Kombis,... auch kulinarisch - in einem eigenen Catering-Zelt. Leider wurde diese Idee noch nicht optimal umgesetzt - kein Wunder, denn AlpenPokal sind halt auch gute Esser!

Nach der Mittagspause ging das PC Fahrtrainig ein weiteres Mal auf die Strecke, die seit den späten Vormittagsstunden abgetrocknet war. Dem Auto einmal entlocken, was in ihm steckt - das geht beim PC Fahrtraining ganz gefahrlos! Keine Strafzettel für zu schnelles Fahren, keine verträumten Verkehrsteilnehmer, kein Gegenverkehr... Und das knappe Dutzend (nicht zu verwechseln mit den ähnlich klingenden Filmhelden!) ließ die braven Porsches auch ordentlich um den Ring flitzen, jeder so wie er wollte.

Dann begann die Zeit der Sprintprüfungen. Und wenn die Veranstaltung bis dahin den geschätzten Zuschauer noch nicht in ihren Bann gezogen hat - spätestens jetzt ist er fällig! Aufstellung zum Vorstart aus der Boxengasse. (Sehr imposanter Anblick!). Während die einen ganz gelassen noch etwas mit Konkurrenten plaudern (geheime Absprache?!), sitzen die anderen bereits (von Kopf bis Fuß feuerfest verpackt!) in ihren heißen Öfen und bringen den Motor durch stoßweises Gasgeben auf Betriebstemperatur (und das eigene Selbstbewusstsein auch?).

Dann geht's zur Einführungsrunde hinter dem "Pace-Car", das diesmal von Klaus Eberhard pilotiert wurde. Erstens sollen jetzt auch die Reifen auf Temperatur gebracht werden, und zweitens minimiert ein "fliegender Start" wegen der (fast) identischen Geschwindigkeit der Fahrzeuge die Unfallgefahr drastisch.

Nachdem das "Pace-Car" vor der Start-Ziel Gerade in die Boxengasse einbiegt, fährt das Starterfeld noch brav in der Aufstellung bis die Start-Ampel ausgeht, dann beginnt das Rennen. Rein akustisch ein absolutes highlight - und leider im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreiblich! Die Motoren setzen den beherzten Tritt auf's Gaspedal in totalen Vortrieb um, begleitet von einem erstaunlich breit gefächerten Geräusch-Szenario. Jetzt weiß jeder, was ihm in der langen Winterpause gefehlt hat! Die Boxenmauer bebt, mancher Zuschauer verfolgt den Sprint zur ersten Kurve mit offenem Mund. Hier und da rettet noch ein blubbernder Drehzahlbegrenzer einen Porsche vor einer zügellosen Drehzahlorgie, und schon wimmern beim Bremspunkt die ersten Reifen, weil sie sich gar nicht so vehement in den Asphalt krallen können wie die "Pedaltreter" das gerne hätten! Und das war erst der START!!! 10 Runden lang wird gefightet was das Zeug hält, wird ausgebremst und ausbeschleunigt, die Position verteidigt und der Vordermann "zurechtgelegt"!...

Gleich 3 mal gab's das am Sonntag zu sehen, warum also noch Formel 1 anschauen?! Besuch in der Boxengasse, Gespräche mit den Fahrern (Autogramme sicher auch...), und wer Glück hat (oder sich als technischer nobody outet!), bekommt von Nils Meister eine persönliche Erklärung zur Funktionsweise eines kleinen schwarzen Plastikteils, das im Bereich des Vorderrades angebracht ist. Dieses Teil nämlich hatte Günter Brenner (also eigentlich sein Auto!) während eines Umlaufs abgeworfen (ob er das demnächst auch mit Türen, etc. macht, muss abgewartet werden - der Gewichtsvorteil ist dann sicher größer und sollte im Reglement berücksichtigt werden...). Aber schnell konnte die voraussichtliche Fundstelle bestimmt werden (und keiner hat ihn - auch nur zum Spaß - an das genau entgegengesetzte Ende der Strecke geschickt). Sicher auch wegen diesem wieder montierten Fahrtwind-auf-die-Bremsscheibe-Plastikleitflügel (so, oder zumindest ähnlich steht's wahrscheinlich auch im Porsche Handbuch...) gewann Günter Brenner in der Klasse 3 / 4 nach einer Fahrt mit kühlem Kopf - und kühler Bremsscheibe!

Seinem Namen keine Ehre machte der Teilnehmer im ClubSport mit der Nummer 903. In der offiziellen Ergebnisliste steht auf Platz 1 in der Klasse 9 "Später Harald". Ja, das werden sich die Konkurrenten wohl auch gedacht haben, aber mit seiner konstanten Tagesleistung sicherte er sich den ersten Sieg in 2003!

Worauf viele warten - manchmal auch vergeblich - gab's dank der perfekten Organisation und trotz dem großen Starterfeld diesmal noch mehr als reichlich: das abschließende Freie Fahren. Fast eine Stunde war die Strecke nochmals für alle Fahrer freigegeben, um das Gesehene selbst aus zu probieren, die letzten Millimeter Profil noch auf den Belag zu bügeln - oder einfach um kurz vor Sonnenuntergang noch ein paar gepflegte Runden auf dem A1-Ring zu drehen.

Krönender Abschluß eines herrlichen Renntages war wie so oft die Siegerehrung mit Kränzen für die Sieger (und leider nur einer kleinen Sektdusche!), sowie Pokalen für alle Teilnehmer.

Was wird das noch für eine (bitte erst ab 18 lesen...) "geile" Saison - mit diesem Reglement, diesem Starterfeld, diesem Sponsor und diesen unermüdlichen Veranstaltern! Danke an alle vom PC Wien sowie den nicht genannten Helferlein für den gelungenen Auftakt zum AlpenPokal 2003!

CU am Lausitzring - und bis dahin Gute Fahrt!

Euer Zuffi

Um die hierzugehörenden Ergebnisse anschauen zu können, bitte hier klicken.